Wissenswert: Thema Naturheilkunde
Die Mistel

Über so mancher Tür hängen zu Weihnachten Mistelzweige und verliebte Pärchen stehen küssend darunter. Der landläufigen Legende nach bleiben diese Paare ein Leben lang zusammen.

Die heilende Wirkung der Mistel wird seit Jahrhunderten genützt. Schon die Druiden schnitten sie mit einer goldenen Sichel von den Bäumen und verwendeten sie als Heilmittel.

Losgelöst von der Erde führt die Mistel im Geäst des Wirtsbaumes ein außergewöhnliches Dasein. Sie spielt ein bisschen die Rolle des Extravaganten, indem sie immer wieder aus der Reihe tanzt. Wo die meisten Pflanzen Dunkelheit zum Keimen brauchen, benötigt die Mistel Licht. Im Winter, wenn alles kahl ist, lässt sie, der Kälte zum Trotz, ihre Früchte reifen. Sie schickt die Samen nicht mit dem Wind auf die Reise, sondern hält sie in elfenbeinfarbenen, schleimigen Beeren verborgen.

Vor Kälte erstarrte Vögel verzehren die schleimigen Früchte und haben in der Zeit der Entbehrung ein nahrhaftes Futter. Da das Fruchtfleisch außerordentlich klebrig ist, bleibt der darin enthaltene Samen leicht an ihren Schnäbeln haften. So müssen die Nascher die klebrige Kost immer wieder vom Schnabel wetzen. Dadurch werden die Samenkörner in die Risse der Baumrinde gedrückt, wodurch die Weiterverbreitung gesichert ist.

Die Mistel begnügt sich nicht nur mit Regenwasser und Tau, sondern wird zum Schmarotzer. Sie treibt ihre Wurzeln tief in die ausgewählten Baumäste hinein, wo sie dann die Saftbahnen anzapft und dem Baum die aufsteigenden, nährenden Säfte entzieht.

Botanisch gesehen ist die Mistel aber nur ein Halbschmarotzer, denn sie entwickelt ihre grünen Blätter selbst. Sie ist ein immergrüner Strauch und kann bis zu 70 Jahre alt werden. Jede Gabelung entspricht einem Jahrestrieb.

Mit dem Gattungsnamen „Viscum“ bezeichneten die alten Römer sowohl die Pflanze als auch den aus ihren Beeren hergestellten Vogelleim. Die Bezeichnung wird mit Viskosität in Verbindung gebracht. Der Beiname „album“ heißt weiß und nimmt Bezug auf die Farbe der Beeren.

Neben der Macht, die ewige Liebe zu sichern, besitzt die Mistel auch eine positive Wirkung auf die Gesundheit. In moderner Zeit erforschte man die inhaltlichen Substanzen der Mistelblätter.

Da diese Wirkstoffe durch die Herabsetzung der Gefäßspannung Blutdruck senkend wirken, führt der Einsatz zu einer Entlastung des Herzens und zur Verbesserung der Begleiterscheinungen bei Arterienverkalkung und Bluthochdruck-Beschwerden. Das Allgemeinbefinden hebt sich, Kopfdruck, Schwindel, Ohrensausen und Herzbeschwerden lassen nach.

Ein pflanzliches Arzneimittel, bestehend aus Mistel, Weißdorn und Knoblauch, nützt die Vorteile dieser drei Pflanzen, die sich in ihrer Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System ideal ergänzen. Der Weißdorn steigert die Kontraktionsfähigkeit des Herzmuskels. Er besitzt eine Gefäß erweiternde Wirkung, wodurch der Herzmuskel besser durchblutet wird. Der Knoblauch ergänzt die Blutdruck senkende Mistel und den Weißdorn durch seine Cholesterin und Blutfett senkenden Eigenschaften.

Anhand von Forschungen der anthroposophischen Medizin wurde entdeckt, dass die Mistel in Form einer Flüssigextrakt-Injektion Tumor hemmende Wirkungen besitzt, indem sie das Immunsystem aktiviert und damit den Organismus dazu antreibt, selbst gegen unerwünschte Zellen vorzugehen. Diesbezüglich ein Wunderkraut ist die Mistel allerdings noch lange nicht, umfangreiche klinische Studien müssen endgültige Sicherheit bringen.

Vergiftungserscheinungen wie Brechdurchfall, blutige Stühle und Darmkrämpfe treten nach Einnahme zu großer Mengen der Stängel und Blätter der Mistel, die Viscotoxine enthalten, auf. In den Beeren kommen diese nicht vor.



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