Wissenswert: Schwerpunkt Arzneistoff
Coffein und seine munter machende Wirkung

Coffein ist als isolierte Substanz ein weißes, bitter schmeckendes Pulver und kommt in verschiedenen Pflanzen vor. Die Substanz erhöht die Leistungsfähigkeit des Gehirns. In den Genuss der stimulierenden Wirkung kommt, wer den Muntermacher Kaffee, aber auch Schwarz- oder Grüntee trinkt.

Coffein war seit jeher immer ein Streitthema. Mancher warnte sogar vor dessen Genuss. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen uns aktuell Kaffee und Co. wieder ruhigen Gewissens genießen.

Coffea arabica, der Kaffeebaum oder Kaffeestrauch, wird insbesondere in Ostafrika und Südamerika angebaut. Kaffeebohnen enthalten ein bis zwei Prozent Coffein, Teeblätter sogar zwei bis vier Prozent. Dennoch enthält eine Tasse Schwarztee nur halb so viel Coffein wie eine Tasse Kaffee, denn aus den Teeblättern wird das Coffein nicht vollständig gelöst.

Wer Tee wegen seiner anregenden Wirkung schätzt, sollte ihn nur kurz ziehen lassen, denn bei längerer Ziehzeit enthält er mehr Gerbstoffe, die das Coffein binden. Im Kaffee ist das Coffein an Säure gebunden, von der es sich im sauren Milieu des Magens schnell löst. Kaffee wirkt daher stärker und schneller anregend als Tee. Coffein macht uns nicht nur aufmerksam und konzentriert, sondern auch motiviert und wohl gestimmt. Die anregende Wirkung setzt nach ungefähr 15 bis 30 Minuten ein.

Wie intensiv das Coffein wirkt, ist individuell verschieden. Manche Menschen reagieren aufgrund einer genetischen Variante empfindlich auf Coffein und müssen coffeinhaltige Getränke schon nachmittags meiden. Übermäßiger Coffeingenuss führt zu unerwünschten Reaktionen wie Nervosität, Zittern, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Verdauungsbeschwerden. Über den Tag verteilt gilt für Erwachsene eine Gesamtdosis von etwa vier Tassen Kaffee als unbedenklich. Da Coffein die Plazenta passiert und auch in die Muttermilch übertritt, wird für Schwangere und Stillende nur die halbe Dosis empfohlen.

Vier Tassen Kaffee, also moderater Konsum, erhöhen den Blutdruck nur kurzfristig und gesunde Erwachsene müssen sich in der Regel dabei keine Sorge um Herz und Kreislauf machen. Neueren Studienergebnissen zufolge senkt Kaffee sogar das Schlaganfallrisiko. Regelmäßige Kaffeetrinker scheinen sogar seltener eine Demenz zu entwickeln als Nichtkaffeetrinker. Auch der Grüntee hat zahlreiche positive Gesundheitseffekte. Zu beachten ist aber, dass damit eine relativ große Menge Coffein aufgenommen wird.

Als Reinsubstanz ist Coffein ein Arzneistoff, der wegen seiner schmerzlindernden Wirkung in vielen Medikamenten gegen Kopfschmerzen und Erkältungserscheinungen enthalten ist. Er beschleunigt und verstärkt die schmerzlindernde Wirkung der anderen Substanzen. In der Kosmetik soll Coffein als Inhaltsstoff von Haarpflegeprodukten die Durchblutung der Haarwurzeln verbessern und so Haarausfall entgegenwirken. In der Homöopathie wird Ähnliches durch Ähnliches geheilt.

Oft hören wir in der Kamillen-Apotheke die Aussage: „Wenn ich am Nachmittag noch Kaffee trinke, kann ich abends nicht einschlafen, denn ich fühle mich wie aufgedreht.“ Coffea arabica, der Kaffee als homöopathisches Arzneimittel, kann mit dem hilfreichen Stichwort „cool down“ beschrieben werden. „Ständig neue Ideen und Pläne, völlig konfus, kann überhaupt nicht abschalten, ist wie „aufgedreht“, spricht hastig, kann sich nicht konzentrieren, „nerviges“ Verhalten, Schlafstörungen wegen Gedankenstrom, lautes Herzpochen, wälzt sich unruhig im Bett“ sind nur einige Leitsymptome dieses homöopathischen Einzelmittels.

Coffea arabica wird weniger aus dem Blickwinkel eines Akutmittels als vielmehr zur längerfristigen Anwendung eingesetzt. Nach dreiwöchiger Einnahme wird eine einwöchige Pause empfohlen. Die Behandlung kann bei Bedarf nach diesem Schema fortgesetzt werden. Abschließend sei nicht unerwähnt, dass es eine klinische Studie für den erfolgreichen Zusatz von Coffea arabica zur ADHS-Therapie bei Kindern gibt.   

Foto/Video: © Fotolia / azure

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