Wissenswert: Thema Naturheilkunde
Der Echte Lavendel, Lavandula angustifolia Mill.

Der Lavendel, die Arzneipflanze des Jahres 2020 in Österreich, ist beliebt durch seinen Duft und umfasst verschiedene Arten. Überzeugende Daten zur medizinischen und pharmazeutischen Nutzung liefern vor allem zwei, nämlich der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia, früher auch als Lavandula officinalis bezeichnet) und der Speik-Lavendel (Lavandula latifolia Medik. oder Lavandula spica L.).

Der Echte Lavendel wurde in Europa spät erwähnt. Vermutlich steht er erst seit Hildegard von Bingen (1098-1179) im Zentrum der pharmazeutisch-medizinischen Verwendung.

In der heimischen Volksmedizin werden Lavendelblüten in Form von Abkochungen zur Gesichtswaschung bei Akne, der Tee gegen Krämpfe sowie die Tinktur zur äußerlichen Anwendung bei rheumatischen Beschwerden verwendet. Außerdem wird Lavendel gerne als Repellent gegen Stechmücken eingesetzt.

Arzneilich genutzt werden die vom Lavendelstängel abgestreiften Blüten (Lavandulae flos), die in der Regel aus Kulturen stammen. Dadurch ist sichergestellt, dass keine anderen Lavendel-Blüten als die des Echten Lavendels verwendet werden. Sie enthalten das hoch geschätzte Lavendelöl, Lavandulae aetheroleum und reichlich Gerbstoffe.

Ein Tee aus Lavendelblüten (1 bis 2 Teelöffel pro 150 ml heißem Wasser als Aufguss) wirkt beruhigend auf das Zentralnervensystem, krampflösend, desinfizierend und anregend auf den Verdauungsfluss im Magen-Darm-Trakt. Dieses Naturheilmittel hilft bei innerer Unruhe, Einschlafstörungen, Appetitlosigkeit, funktionellen Oberbauchbeschwerden und nervösen Magen- und Darmbeschwerden.

Besonders angenehm ist ein warmes Lavendelbad. Dafür 100 g Lavendelblüten auf 2 Liter heißes Wasser geben, kurz ziehen oder aufkochen lassen, abseihen, das Konzentrat dem Badewasser zufügen und darin 10 bis 20 Minuten bei einer Wassertemperatur von 35 bis 38°C baden.

Das ätherische Lavendelöl wird in der Aromatherapie als Badezusatz, Massageöl, Raumspray oder auch in kleinster Dosis pur verwendet. Daneben findet es sich in kosmetischen Produkten als Geruchskorrigens.

In Arzneispezialitäten ist das ätherische Öl zur äußerlichen Anwendung gegen Muskel- und Gelenkschmerzen enthalten. Ein zugelassenes Arzneimittel mit einem besonders wirkstoffreichen ätherischen Öl in Weichkapseln ist in unserer Apotheke zur Behandlung von vorübergehender ängstlicher Verstimmung erhältlich.

Der Echte Lavendel gilt als sehr gut verträglich. In der Praxis sind Nebenwirkungen bzw. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bisher nicht bekannt, ebenso sind erfahrungsgemäß keine Gegenanzeigen zu beachten. Hinweise auf Risiken von Lavendel-Zubereitungen betreffen vor allem zugelassene Arzneispezialitäten und scheinen dort wegen fehlender Daten zur sicheren Anwendung auf.

Das ätherische Öl des Speik-Lavendels wird pharmazeutisch wegen des sehr intensiven Geschmacks in magensaftresistenten Kapseln verarbeitet, die unzerkaut eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden.

Aufgrund der verfügbaren Studienlage erscheint eine Anwendung bei akuter Bronchitis und erkältungsbedingtem Husten plausibel. Die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Medizinischen Universität Innsbruck hebt die Bedeutung des Speik-Lavendels bei akuter Sinusitis hervor.

Foto/Video: © Kamillen-Apotheke

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